Liebe Zeichengemeinde,
ich hab‘ lange gewartet, den Text meiner E-Mail, die ich Ende Juni ans Nordkolleg geschickt habe, auch hier einzustellen. Das lange Warten erkläre ich mir selbst auch damit, dass ich es selber noch nicht wahrhaben wollte. Aber jetzt will es raus – hier ist der Text:
Liebe Kiki,
Wertes Nordkolleg,
als ich mich für das grafische Trainingslager 2020 verbindlich anmeldete, galten für mich die seinerzeit gültigen und tradierten Kursbedingungen. Diese Bedingungen haben sich durch die Coronakrise offenkundig verändert. Ein graphisches Trainingslager, bei dem ich zu den anderen Teilnehmer*innen einen Mindestabstand von 1,5 m halten soll, bei dem der Tausch von Arbeitsmaterial gar nicht oder nur nach vorheriger Desinfektion stattfinden kann, bei dem ich meine Mahlzeiten als alleine am Tisch Sitzender einnehmen muss, erscheint mir derart absurd, dass ich meine Anmeldung so lange stornieren muss, bis gesichert ist, dass der Kurs unter den seit drei Jahrzehnten bestehenden Voraussetzungen stattfinden kann.
Ohne Umarmungen, Herzen und Küssen – ohne einander wirklich nahe zu sein – würde die „Zeichengemeinde“ mir bei einem Mindestabstand von 1,5 m fern! Diese Erfahrung möchte und werde ich nicht machen.
All dies bedeutet nicht, dass ich kein Verständnis für die Anordnungen hätte.
Es bedeutet, dass ich mich von Bereichen und Situationen fernhalte, in denen ich bei Einhaltung der Regeln schmerzliche Erfahrungen würde.
Sehr traurig und auf andere, mir die Teilnahme ermöglichende Voraussetzungen hoffend
Dein und Euer POLO