Weiland im Picasso

Es begab sich aber zu der Zeit,
dass die Herren Otto W, Peter K und Peter P sich in die Rendsburger
Innenstadt begaben, um sich schätzen zu lassen, beziehungsweise einige
Cappuccini und Espressi zu sich zu nehmen.

Zum Zweck des billigen Amüsements brachte
einer der Gefährten – wer es war, verschweigt hier die Erinnerung – beim
geselligen Zusammensein das Thema vom „Zeichner und den Damen“ ins Spiel
und lud zu Kommentar und Einwurf. Tenor sollte ein in der Gruppenerfahrung
eher zweifelhaft belegter Zweizeiler sein:

Als ein Zeichner hast Du’s
gut,

bringst die Frauen leicht in
Glut.

Wenns
auch gelogen ist – sei’s drum! Das fing doch schon gut an und wollte
ausgeführt werden. Alles weitere Dichten und Drängen sollte unter
folgendem versbucklichten Motto stehen:

Bist Du auf die Weiber
scharf,

greife zum
Zei-chen-be-darf.


Damit lag Musik in der Luft und ebenso Zigarrenrauch.
Moustachehaare sanken leis ergraut zu Boden, während die Versammelten sich
zu folgenden Eingangsstatements hingerissen sahen:

PK:

Willst Du eine Frau
begeistern,

tu ihr eine Karte
kleistern.

OW

Willst Du eine Frau
erweichen,

schicke ihr ein
Kartenzeichen.

PP

Willst Du eine Frau
beglücken,

mußt Du eine Karte
schücken.

Danach war verständlicherweise erstmal Pause. Doch schon drei,
vier Tässchen später wurde koffeingeschwängert weiter gedichtet – das
Reimschema war ja schließlich gefunden.

Willst du eine Frau
erobern,

mußte mit ’ner Karte
kobern.


Schick ’ne Karte, sei nicht
doof,

mach der Frau damit den
Hof.


Hast‘ auf viele Frauen
Bock?

Kauf‘ Dir einen
Karten-Block!


Das Frauenherz ist leicht
entflammt,

wenn Bilder Du aufs Blatt
gebannt.

Soviel
zur Grunderfahrung der drei Herren in den besten Jahren und in der Stunde
zwischen Frühstück und lockendem Mittagessen. Genau der rechte Zeitpunkt
also für die Schilderung von Feinheiten und Details des zeichnenden
Umwerbens:

Ist die Karte groß und bunt,

geht’s am Abend ganz schön rund.


Willst Du heftig es und schnell,

schicke ihr ein Aquarell.


Am
allerliebsten sie Dich hat,

schickst Du ihr ein
Großformat.


Schickst Du ihr ein Bild in
Öl,

stürzt sie auf Dich mit
Gebröll.


Ist so süß sie wie ein
Gift,

greife Du zum
Silberstift.


Sie wird immer bei Dir
sein,

schickst Du ihr ’nen
Lithostein.

Erneute Pause, Nachladen von Rauchgut und Espressobomben,
außerdem Spitzen der Stifte und Berauschen der Sinne. Jetzt wurde es
nämlich schwieriger. Es galt, die Themenbereiche „Richtig und Falsch“
sowie „Aus der Fremde“ zu bedichten. Unsere „Drei Spezialisten“ wären aber
nicht unsere „Drei Spezialisten“, wüßten sie nicht auch hierzu
reichhaltige Erfahrungen herbeizulügen.

Schickst Du Karten im Karton,

läuft sie Dir nicht mehr
davon.


Schickst Du ihr die Tinte
flüssig,

wird sie Deiner
überdrüssig.


Ätzradierung kommt gut
an,

schickst Du sie an einen
Mann.

Dann aber
war es soweit. Die Sonne stand im Zenit über dem Dichtertisch. Die Leiber
knurrten, die Kaffeehaus-Rechnungen wurden beglichen, das
herbeiphantasierte Mittagessen rief die Herren heim. Und so floss in
letzter lyrischer Zuckung das Motiv des Abschieds ins Gedichte:

Kannst Du keine Karte
schicken,

kannst Du die Beziehung
knicken.


Hast Du eine Frau dann
satt,

schicke ihr ein leeres
Blatt.

So wars,
ich schwörs Euch zu. Nichts ist hinzugefügt, nichts weggelassen worden,
sondern alles so wieder vorgefunden im Skizzenbuch mit Eintrag „23.8.07“
vom Chronisten

Dr. Panne

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